Aggressive Fonds erzielen hohe Renditen mit Schulden armer Länder.
Das Prinzip ist alt: Spezielle Investmentgesellschaften, abschätzig Geierfonds genannt, kaufen Banken faule Kredite ab und versuchen, diese zu Geld zu machen. Die Geier haben nun neue Beute entdeckt: die Schulden der ärmsten Länder.
Jüngstes Opfer ist Sambia. Rumänien hatte dem Land landwirtschaftliches Gerät geliefert, Sambia konnte die Rechnung in Höhe von etwa 30 Mio. $ nicht bezahlen. Der Investmentfonds Donegal, registriert auf den britischen Jungferninseln, kaufte den Rumänen die Forderungen für gut 3 Mio. $ ab - und verklagte Sambia vor einem britischen Gericht auf 55 Mio. $, den ausstehenden Betrag plus Zinsen. Zugesprochen bekam Donegal knapp 16 Mio. $.
Den Industriestaaten passen solche Praktiken überhaupt nicht, zumal Sambia eines jener Länder ist, dem sie Schulden erlassen haben. Es bestehe die Gefahr, dass die freien Mittel statt in Schulen und Krankenhäuser auf das Konto aggressiver Investmentgesellschaften fließen, heißt es bei den G7-Staaten. Insgesamt haben Gerichte weltweit die ärmsten Länder zu Zahlungen über 1 Mrd. $ an die Fonds verurteilt.
Jetzt will man das Treiben der Geierfonds mithilfe der Weltbank beenden. Sie hat Mittel bereitgestellt, die es den Entwicklungsländern mit Unterstützung der Bank ermöglichen sollen, Forderungen zurückzukaufen - mit einem kräftigen Abschlag. So soll verhindert werden, dass Schuldtitel in die Hände der Fonds fallen. Viele Gläubiger lassen sich auf das Geschäft ein, weil sie fürchten, dass sonst ihr guter Ruf Schaden nehmen könnte. Finanziert wird das Programm, das bis 2012 läuft, aus Gewinnen der Weltbank und Zuschüssen der Industrieländer.
Von der Verhandlungstaktik der Weltbankökonomen können dabei sogar die Manager der Geierfonds lernen: Im Rahmen eines kürzlich ausgelaufenen Vorläuferprojekts wurden Forderungen über 8 Mrd. $ aufgekauft - zu einem Preis von etwa 600 Mio. $.
Das ist ein besseres Verhältnis von Aufwand zu Ertrag, als es Donegal in Sambia erzielte.
Quelle: Financial Times Deutschland
vorherige Meldung
