Was uns die Schuldenuhren sagen

Meldung vom 17.04.2008 Seite drucken
Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) will bis 2011 den Bundeshaushalt in Einnahmen und Ausgaben ausgleichen. Also keine neuen Schulden mehr. Ob ihm das gelingen wird, ist bei der sich weltweit abschwächenden Konjunktur ungewiss.

Als Deutschland 1948 mit der neuen Währung D-Mark an den Start ging, lagen die Bundesschulden bei umgerechnet etwa 10 Milliarden Euro. Inzwischen sind wir bei rund 1500 Milliarden Euro angekommen.

Klartext: Die Schulden sind in 60 Jahren auf das 150fache gestiegen.

Wie rasend schnell sich derzeit die Schulden vermehren, ist auf der sog. „Schuldenuhr“ zu sehen, die der Bund der Steuerzahler laufen lässt. Jede Sekunde des Tages schießen die Schulden um 474 Euro in die Höhe. Das ist mehr als ein einfacher Hartz IV-Empfänger in einem ganzen Monat bezieht (347 Euro Regelleistung). Die Schuldenuhr des Steuerzahlerbundes sehen Sie auf der Seite ganz oben in roten Zahlen.

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Diese Uhr anzuhalten – eine Herkulesaufgabe! In der Geschichte der deutschen Staatsfinanzen gab es nur drei Finanzminister, die dieser Aufgabe gewachsen waren, alle drei von der CSU: Fritz Schäffer, Finanzminister unter dem ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer, denn Franz Josef Strauß Ende der 1960er Jahre. Schließlich konnte auch Theo Waigel, Finanzminister unter Helmut Kohl, in den Monaten unmittelbar vor dem Mauerfall 1989 mehr Einnahmen verbuchen als er ausgab.

Geht’s ums staatliche Sparen, sind die Herren aus dem Süden der Republik auch heute wieder Musterknaben. Die Schuldenuhr, die der Steuerzahlerbund Bayerns zeigt, läuft nämlich rückwärts. Klartext: Die Schulden des weißblauen Freistaats nehmen ab. Schauen Sie sich dazu die oberste blaue Zahlenreihe an – die Bayern-Schulden gehen pro Sekunde um 6 Euro runter:

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Nun muss ein gestandener Mann wie Peer Steinbrück nicht beim Münchner Finanzminister Erwin Huber (CSU) in die Lehre gehen, um herauszufinden, wie man seine Finanzen in den Griff bekommt. Das weiß er selbst, und seine Weigerung, vier Bundesministern höhere Etats zu genehmigen als ursprünglich gedacht, war knallhart genug.

Bleibt allerdings ein Risiko: die Konjunktur.

Je mehr sie brummt, desto stärker wachsen die Steuereinnahmen – eine einfache Rechnung. Leider sind die guten Wachstumszahlen für Deutschland in den letzten Monaten laufend zurückgenommen worden. Gerade eben erst vom Sachverständigenrat, den „fünf Weisen“ von bisher 1,9 auf nur noch 1,8 Prozent Jahreszuwachs für 2008. Im nächsten Jahr sollen es nur mehr 1,4 Prozent sein. Grob gerechnet bedeutet dies weniger Steuereinnahmen für den Bund bis 2011 von 30 Milliarden. Damit würde der von Steinbrück erwartete Anstieg um etwa ein Drittel schrumpfen.

Klartext: Die Schuldenbremse darf auf keinen Fall gelockert, sondern muss noch fester angezogen werden.

Immerhin sieht es für Deutschland (noch) gut aus. Vergleichen Sie mal, wie es in den USA zugeht. Dort ist die Verschuldung mit mehr als 9200 Milliarden Dollar außer Rand und Band. Beweis: Die „Schuldenuhr“ der Amerikaner ("U.S. National Debt Clock"). Schauen Sie nur auf die rote Zahl. Die hinteren Stellen drehen sich so schnell, dass einem allein beim Hinschauen die Tränen kommen...


Quelle: www.bild.de Paul C. Martin 17.04.2008



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